Abwasserverband Braunschweig
head_gr
Rieselfelder

Am 16. März 1895 wurde auf dem Gebiet des Klostergutes Steinhof auf ca. 490 ha die Verrieselung von etwa 11.000 m³ Abwasser täglich in Betrieb genommen. Die Flächen, auf denen das Abwasser recycelt wurde, wurden überwiegend als Gemüseanbauflächen genutzt. Nach dem 2. Weltkrieg stieg der Abwasseranfall so stark, dass die Kapazitäten des Rieselfeldes nicht mehr ausreichten, um die biologische Abwasserreinigung in der Fläche des Rieselbetriebes durchzuführen. Daher wurde 1954 der Abwasserverband Braunschweig gegründet, auf dessen Flächen dann ca. 2/3 der Abwassermengen durch Verregnung verwertet wurden.

Aus hygienischen Gründen wurde der Gemüseanbau in den 60er Jahren im Rieselbetrieb eingestellt. Durch den Ausbau der 1979 in Betrieb gegangenen Vorbehandlungsanlage zu einem modernen Großklärwerk haben sich auch die Bedingungen für den Rieselbetrieb deutlich geändert. Mit seiner naturräumlichen Nachbehandlung des vollbiologisch gereinigten Abwassers ist der Rieselbetrieb eine weitere wichtige Reinigungsstufe der Kläranlage Steinhof.

Das gereinigte Abwasser wird über ein Pumpwerk mittels eines seit 1895 bestehenden ca. 10 km langen Druckrohrnetzes zu den 26 Abgabestellen auf die Rieselfeldflächen geleitet. Die weitere gezielte Verteilung folgt über offene Verteilerbauwerke, Rinnen und Steckschieber zu den Rieselflächen. Das so auf die Rieselflächen aufgebrachte Klarwasser versickert in den bodennahen Schichten und gelangt über Drainagen in die zahlreichen Entwässerungsgräben, die das gesamte Rieselfeld durchziehen. Schließlich wird es durch den Aue-Oker-Kanal direkt zur Oker abgeleitet. Bei der Passage des Klarwassers durch den Boden erfolgt eine deutliche Nachreinigung durch Pflanzen und im Boden vorhandene Mikroorganismen. Im Mittel werden von den 21 Mio. m3 im Klärwerk Steinhof behandelten Abwassers 2/3 im Verregnungsgebiet verregnet und 1/3 über den Rieselbetrieb und den Aue-Oker-Kanal in die Oker eingeleitet.

Um den traditionellen Rieselbetrieb einem modernen Klärwerksbetrieb anzupassen und dessen Leistungsfähigkeit zu erhalten, sind in den letzten Jahren zukunftsorientierte Umgestaltungsmaßnahmen umgesetzt worden.

1985 wurden die "Bioteiche" als Winterspeicherflächen gebaut.

1991 wurde das "Mäandersystem" als neues Reinigungsverfahren im Rieselbetrieb eingeführt. Bei diesem System wird das Abwasser in einer Horizontalpassage durch einen fluss- ähnlichen Verlauf geschickt, so dass über eine Fließstrecke von mehreren Kilometern die biologische Nachreinigung vorgenommen wird.

1997 wurde das Speichersystem "Flutmulde" errichtet, welches gewährleistet, dass auch bei mehrtägigen Starkregenereignissen die Speicherkapazität im Rieselbetrieb so groß ist, dass die gesamten Wassermengen über dieses Speichersystem in den Rieselbetrieb eingeleitet werden können und keine Mischwasserabschläge in die Oker direkt durchgeführt werden müssen.

2004 wurde das Entnahmepumpwerk Aue-Oker-Kanal in Betrieb genommen, mit dem Klarwasser aus dem Aue-Oker-Kanal der Verregnung zur Verfügung gestellt werden kann. Die Mehrfachnutzung des Wassers, zunächst Verrieselung im Rieselfeld, dann Verregnung im Verregnungsbetrieb, sorgt dafür, dass die Konkurrenz speziell in trockenen Sommern zwischen Rieselfeld und Verregnung ausgeschaltet wird.

Durch die kontinuierliche Bewässerung der Rieselflächen und Sicherstellung der Vernässung von ausgewählten Teilflächen auch in Zeiten geringen Wasseranfalls sind wertvolle Biotope und im Zusammenhang mit den Okerauen schutzwürdige Biotopstrukturen entstanden.