Rieselfelder

Die Rieselfelder sind fester Bestandteil der Reinigung des Abwassers. Mit einer Größe von 275 Hektar, was einer Fläche von 385 Fußballfeldern entspricht, dienen sie in erster Linie zur Nachreinigung und Speicherung des im Klärwerk Steinhof bereits vollbiologisch gereinigten Abwassers.

Ein Drittel des gereinigten Abwassers (Klarwasser) wird in die Rieselfelder eingeleitet. Über ein 9 Kilometer langes Druckrohrnetz wird das Klarwasser zu den 25 Abgabestellen auf die Rieselfeldflächen geleitet. Über offene Verteilerbauwerke, Rinnen und Steckschieber ist es möglich, das Abwasser gezielt auf die Rieselflächen zu verteilen.

Es gibt zwei unterschiedliche Wege, das Klarwasser durch die Rieselfelder zu leiten

Bei dem traditionellen Weg versickert das Wasser durch die obersten Bodenschichten und gelangt über Drainagen in Entwässerungsgräben. Durch diese Bodenpassage nutzt man die Nachreinigung durch Pflanzen und die im Boden enthaltenen Mikroorganismen. Die Entwässerungsgräben werden im Aue-Oker-Kanal gefasst und das nunmehr optimal gereinigte Abwasser der Oker oder der landwirtschaftlichen Verwertung zugeführt.

Um den traditionellen Rieselbetrieb einem modernen Klärwerksbetrieb anzupassen und dessen Leistungsfähigkeit zu erhalten, sind in den letzten Jahren zukunftsorientierte Umgestaltungsmaßnahmen umgesetzt worden. 1991 wurde das „Mäandersystem“ als neues Reinigungsverfahren im Rieselbetrieb eingeführt. Bei diesem System wird das Klarwasser in einer Horizontalpassage durch einen flussähnlichen Verlauf geschickt, sodass über eine Fließstrecke von mehreren Kilometern die biologische Nachreinigung vorgenommen wird.

1997 wurde das Speichersystem „Flutmulde“ errichtet, welches gewährleistet, dass auch bei mehrtägige Starkregen die Speicherkapazität im Rieselbetrieb so groß ist, dass die gesamten Wassermengen über dieses Speichersystem in den Rieselbetrieb eingeleitet werden können und keine Mischwasserabschläge in die Oker direkt eingeleitet werden müssen.

Ein Refugium für seltene Vögel

Durch die kontinuierliche Bewässerung der Rieselflächen und Sicherstellung der Vernässung von ausgewählten Teilflächen auch in Zeiten geringen Wasseranfalls sind wertvolle Biotope und im Zusammenhang mit den Okerauen schutzwürdige Biotopstrukturen entstanden.

Der Mensch schuf ein Rast-, Brut- und Überwinterungsgebiet für zahlreiche und auch seltene Zugvögel. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) wird dabei im Sinne des Naturschutzes gehandelt. 302 unterschiedliche Vogelarten sind hier beherbergt. Darunter auch zahlreiche Arten der Roten Liste der international von der EU besonders geschützten Arten wie Rotmilan, Kiebitz und Wachtelkönig. Für die Brandgans stellen die Braunschweiger Rieselfelder den südlichsten Brutplatz in Niedersachsen dar. Zwergschnepfen und Bekassine finden hier ihr Winterquartier, wodurch die Rieselfelder zum Objekt zahlreicher Forschungsarbeiten werden.