Agroforst

Agroforstsystem beim Abwasserverband Braunschweig – ein neues Element in der Kreislaufwirtschaft

Im Frühling 2026 setzt der Abwasserverband Braunschweig ein neues Vorhaben um. In die landwirtschaftliche Nutzung werden Gehölzstreifen integriert. Ziel ist die Schaffung einer Symbiose aus Land- und Forstwirtschaft, die eine nachhaltige Nutzung der Holzproduktion mit der gleichzeitigen Sicherstellung der ackerbaulichen Bewirtschaftung der Verbandsfläche verbindet.

 

Grundsätzlich ist Agroforstwirtschaft kein neues Prinzip der Landnutzung und reicht zurück bis zu den Wurzeln der Landwirtschaft. Durch die historische Entwicklung der Landbewirtschaftung haben solche Wald-Feldsysteme jedoch an Bedeutung verloren und kommen nun mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zurück.

Gerade in der hiesigen Region bietet das Agroforstsystem einen entscheidenden Vorteil: Die vorherrschenden sandigen Böden sind sehr leicht und damit besonders anfällig für Winderosion. Die Gehölzstreifen wirken dem gezielt entgegen und tragen dazu bei, die Windgeschwindigkeit zu bremsen. Zudem können die Bäume wertvollen Tau in der Fläche halten und die Verdunstung reduzieren.

 

Die neu angelegte Gehölzfläche erstreckt sich über rund zwei Hektar und setzt sich aus zwei bis sieben Baumreihen zusammen. Die Gehölzstreifen verbessern nicht nur die ökologische Struktur der Landschaft, sondern sorgen auch für einen günstigeren Flächenzuschnitt und erleichtern dadurch die Bewirtschaftung mit Maschinen großer Arbeitsbreite. Insgesamt wurden mehr als 3.500 Stecklinge in einem Pflanzverband von 3,5 × 1,3 Metern gesetzt. Der Reihenabstand von 3,5 Metern wurde bewusst gewählt, damit die Zwischenräume mit gängigen landwirtschaftlichen Maschinen gepflegt werden können. Nach einer voraussichtlichen Etablierungsphase von etwa zwei Jahren werden die Gehölzstreifen durch artenreiche Saumstreifen ergänzt. Diese schaffen zusätzliche Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und tragen dazu bei, die Biodiversität langfristig zu fördern.

Drei verschiedene Pappelsorten mit unterschiedlichen Eigenschaften hinsichtlich Lichtdurchlässigkeit, Wuchsform und Wuchstempo säumen nun die alten Lagerbecken, die von einer alten Verwallungsanlage umgeben sind.  Die Bäume sind optimal aufeinander abgestimmt und sorgen für ein stabiles und leistungsfähiges Gesamtsystem.

 

Ein besonderes Highlight: Bei diesem Agroforstsystem erfolgt die Bewässerung der Bäume durch die Wasserwiederverwendung – ein Alleinstellungsmerkmal des Abwasserverbands Braunschweig. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die kontinuierliche Wasserzufuhr auf das Wachstum der Bäume auswirkt.

Das vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz geförderte Projekt bringt zahlreiche ökologische Vorteile mit sich:

✔️ Schutz vor Wind- und Bodenerosion

✔️ Reduzierung von Nährstoffauswaschungen

✔️ Resilienz gegenüber Trockenheit

✔️ Biotopvernetzung

✔️ Förderung der Biodiversität und Insektenvielfalt

✔️ Lebensräume zur Erhöhung des Arten- und Biotopreichtums

Nebenbei speichern Gehölze Kohlenstoff, bieten Schatten und Kühlung – Eigenschaften, die wegen der Klimaerwärmung und immer längeren Hitzeperioden immer wichtiger werden.

Das im mittleren bis langen Umtrieb erzeugte Holz soll als hochwertiges Nutzholz verwendet werden. Somit wird eine zusätzliche erneuerbare Rohstoffquelle im Kreislauf des Braunschweiger Modells geschaffen.



Steckbrief:

  • Gehölzart: Pappel (Populus spp.)
  • Anzahl Gehölze: ca. 3.500 Pflanzruten
  • Umtriebszeit: 6-10 Jahre
  • Flächengröße: 8,6 ha
  • Gehölzfläche: 2,1 ha
  • Anzahl Baumreihen pro Gehölzstreifen: 2 bis 7 Reihen
  • Breite je Gehölzstreifen: 10-25 m
  • Reihenabstand: 3,5 m
  • Pflanzabstand in der Reihe: 1,3 m